Zero Waste Home: Glücklich leben ohne Müll von Bea Johnson – Rezension.

Im Supermarkt fällt es leicht, die Augen vor dem Verpackungsmüll zu verschließen. Ja, selbst Zuhause ist es leicht geworden, umzuschalten, wenn im Fernseher mal wieder von verschmutzten Meeren die Rede ist oder Bilder von qualvoll an Plastik verendeten Tieren gezeigt werden. Fängt man dann an, sich mit dem Thema Müll zu beschäftigen, ist man schnell schockiert darüber, was die heutige Wegwerfindustrie an Müll produziert. 617 Kilogramm Müll pro Kopf fielen im Jahr 2013 in Deutschland an. Das muss man sich mal vorstellen. Das sind knapp 1200 Pakete Margarine.

Davon kann natürlich einiges kompostiert, vieles auch recycelt werden, aber wusstet ihr, dass das nur gut geht, wenn man den Müll auch wirklich gewissenhaft trennt? Alles andere landet auf der Mülldeponie, wo es platt gedrückt und irgendwann abgedeckt wird, um dort langsam und gemächlich zu verrotten. Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass viele Gegenstände sehr lange brauchen, bis sie verrottet sind. Eine PET-Flasche zersetzt sich zum Beispiel erst in bis zu 450 Jahren.

Und obwohl der Mensch mittlerweile ein Meister darin ist, Müll wiederzuverwerten und immer wieder neue Startup-Unternehmen aus dem Boden schießen, die Produkte aus recycelten Materialien herstellen, sollten wir doch eigentlich lieber den Fokus darauf legen, weniger Müll zu produzieren.

Zero Waste Home: Glücklich leben ohne Müll

Bea Johnson macht vor, was die Menschen in den Industriestaaten längst vergessen haben. Nämlich wie das mit dem Müll vermeiden eigentlich funktioniert, wenn heutzutage scheinbar alles in Plastik verpackt ist. In ihrem Buch schildert sie mit Humor und Lebensweisheit, wie sie nach und nach den Müll in ihrem Leben losgeworden sind. Als vierköpfige Familie mit Hund war das nicht immer ganz einfach, aber auch nicht unmöglich.

Das Buch ist in verschiedene Lebensbereiche eingeteilt: Küche, Bad, Schlafzimmer, Haushalt, Arbeitszimmer, Kinder und Unterwegs. In jedem dieser Abschnitte gibt sie jede Menge Tipps zur Müllvermeidung und empfiehlt einfache Rezepte, die sich aus losen Zutaten herstellen lassen. Sowohl für Nahrungsmittel als auch für Putzmittel als auch für Kosmetik. Während mir einiges davon zu meinem jetzigen Standpunkt noch zu krass vorkommt (z.B. mich mit Kakao und roter Bete zu schminken), fand ich viele ihrer Tipps auch hilfreich und habe gleich versucht sie anzuwenden.

Wie ihr aus meinem letzten Artikel zur Müllvermeidung wisst, haben wir gerade erst angefangen, in dem wir unsere Küche von Plastik befreit haben (noch nicht vollständig, da wir einige Sachen erst ersetzen müssen, bis wir alles los werden können) und anfangen, möglichst unverpackt einzukaufen. Gleichzeitig haben wir in unseren Unterlagen aufgeräumt und versuchen nur noch Papier zu benutzen, wenn es sich nicht absolut vermeiden lässt. Das fällt mir gar nicht leicht, habe ich doch früher ständig irgendwelche Zettelchen gehabt für To-Do- oder Einkaufslisten oder immer mal wieder was ausgedruckt, um es auf Papier statt einfach am Laptop zu lesen. Bea Johnsons Tipps zur Müllvermeidung in Küche und Arbeitszimmer sind da schon ziemlich wertvoll gewesen, da man als „Anfänger“ schnell überfordert ist und alles gleichzeitig machen möchte.

Leseempfehlung?

Dennoch findet man natürlich viele der Tipps auch im Internet, wenn man weiß, wonach man suchen muss. Ich bin also etwas zwiegespalten, was die Empfehlung des Buches angeht. Klar, hier hat man alle Infos an einer Stelle, was den Aufwand und somit vielleicht auch den Einstieg in die Materie etwas erleichtert. Andererseits ist das Produkt Buch (so sehr ich es auch liebe) natürlich nicht unbedingt nachhaltig, gerade, wenn man die Informationen auch im Internet findet. Shia Su, das deutsche Äquivalent zu Bea Johnson, hat in der Produktion ihres Buches immerhin darauf geachtet, dass es möglichst nachhaltig zugeht.

Als ich im Geschäft vor der Auswahl der beiden Bücher stand, habe ich mich aber für Bea Johnsons Buch entschieden, weil es einfach dicker und dichter beschrieben war. Die nette Verkäuferin im Tara Unverpackt in Osnabrück hat mir aber gesagt, dass beide Bücher einen tollen Einstieg bieten. Was auf jeden Fall noch dazu gesagt werden muss: Wenn ihr euch für Bea Johnsons Buch entscheidet, kauft auf jeden Fall die deutsche Version, denn diese ist mit einer großen Zahl Fußnoten ausgestattet, die den Inhalt bezogen auf Deutschland erläutern. Das empfand ich als sehr hilfreich, denn einige der amerikanischen Tipps lassen sich ansonsten nicht anwenden.

Um es noch einmal zusammenzufassen: Zero Waste Home: Glücklich leben ohne Müll von Bea Johnson ist sein Geld auf jeden Fall wert, wenn man ein Buch zum Thema haben möchte, das viele Informationen an einer Stelle liefert. Wenn man vor der Wahl Buch oder Internet steht, kann man sich getrost fürs Internet entscheiden, was natürlich die nachhaltigere Variante ist und mindestens genauso viel Wissen bietet.

Wenn ihr interessiert an mehr Artikeln zum Thema seid, lasst doch ein Gefällt mir und/oder einen Kommentar da (gerne auch mit Artikelwunsch)! Ich freue mich über eure Reaktionen und bin gespannt, was ihr zum Thema zu sagen habt.

– Kim

7 Gedanken zu „Zero Waste Home: Glücklich leben ohne Müll von Bea Johnson – Rezension.

  1. Jenni sagt:

    Liebe Kim!
    (Ich spamme dich hier gerade ein bisschen zu, ich weiß.)

    Ich muss gestehen, dass ich Beas Buch noch gar nicht gelesen habe – was unter anderem daran liegt, dass ich sie ja live gesehen und das Buch von Shia gelesen habe und mir einbilde, dadurch schon ein wenig informiert zu sein, was das Thema anbelangt. 😉
    Das ist zwar sicherlich eine schöne Illusion – und daher werde ich das Buch auch auf jeden Fall noch lesen -, hat mir aber bisher eine wunderbare Ausrede verschafft, um den aktuellen Stapel der Schande (wie ich den Stapel ungelesener Bücher hier nenne) ein wenig abzuarbeiten. 🙂

    Dass Papiersparen auch ein wichtiger Aspekt (neben der Plastikvermeidung ist), finde ich einen nicht zu unterschätzenden Punkt, der aus meiner Perspektive gerne vergessen wird. Auf der anderen Seite steht der enorme Datenverbrauch, der durch das permanente Online-Arbeiten und allgemein die PC-Nutzung anfällt (ich recherchiere da nebenbei gerade für einen weiteren Artikel), den Bea zum Beispiel gar nicht berücksichtigt, soweit ich weiß. Und das sind auch keine Peanuts.
    Ich glaube, wenn man so richtig und an allen Enden nachhaltig und müllvermeidend leben möchte, hat man eine gewaltige Aufgabe zu stemmen und man findet immer wieder neue Sachen, die man vorher nicht berücksichtigt hat. In diesem Sinne freue ich mich schon darauf, für den Artikel weiterzurecherchieren und bin gespannt, was wir alle in diesem Bereich noch zu lernen haben. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Kim Leopold sagt:

      Liebe Jenni,

      glaub mir – ich freu mich über deine Kommentare! 🙂

      Also, ich glaube, so viel verpasst du nicht. Wenn du möchtest, kann ich dir das Buch gerne ausleihen. 😉 Die gute Verkäuferin im Unverpackt-Laden in Osnabrück hat auch gesagt, dass die beiden Bücher sich nicht viel tun. Ich würde also eher mal behaupten, dass wir nur dem Glauben unterliegen alles lesen zu müssen, weil wir Bücherwürmer sind. 😉

      Ich bin sehr gespannt auf den Artikel, von dem du da schreibst. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht (überhaupt fallen einem ja so viele Sachen auf, über die man mal nachdenken müsste). Dass mit dem Papiersparen klappt erstaunlich gut. Ich gewöhne mich allmählich dran, meine Listen übers Handy oder das Notebook zu machen und drucke nur noch aus, was wirklich nötig ist – und ehrlich gesagt bin ich ein bisschen überrascht darüber, wie wenig eigentlich wirklich nötig ist… 😀

      Also im Buch geht’s auf jeden Fall nicht um solche Dinge. Sie hat zwar Papiervermeidung drin, aber da geht es hauptsächlich um die ganze Werbepost (online und in echt), die so ins Haus flattert, und wie man das am besten vermeiden kann. 🙂

      Ich freu mich schon auf deinen Artikel und schicke liebe Grüße
      Kim

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