Frühjahrsputz à la Minimalismus.

Ganz langsam und unauffällig schleicht es sich an, dieses Gefühl, dass nichts mehr so richtig passt. Wenn deine Umgebung dich anödet, wenn dir die Bücherstapel über den Kopf wachsen und du diese olle Tapete nicht mehr sehen kannst – dann ist es definitiv Zeit für einen Frühsjahrputz à la Minimalista.

Minimalismus – qu’est-ce que c’est?*

Minimalismus ist ein Lebensstil, der dem Überfluss und Konsum entgegen wirken soll. Minimalisten versuchen, mit so wenig Gegenständen wie möglich auszukommen, und so ein erfüllteres, einfacheres Leben zu haben, bei dem Erlebnisse im Vordergrund stehen, nicht der Besitz. Ich würde mich lange nicht als waschechten Minimalisten bezeichnen, doch habe ich Gefallen an der Idee gefunden, weniger zu besitzen. Und zwar nur die Dinge, von denen ich zu 100% sagen kann, dass ich sie liebe (oder brauche). Für mich ist Minimalismus also kein drastischer Lebensweg, den ich gerne einschlagen würde, sondern ein Konzept, mit dem ich mein Leben vereinfache und meine Umgebung zu 100% liebenswert mache.

Minimalismus beginnt in der Umgebung und endet im Kopf.

Sehr viele erfolgreiche Persönlichkeiten sind Minimalisten. Das konnte ich erst nachvollziehen, als ich begann, mein Leben aufzuräumen. Während ich früher immer damit beschäftigt gewesen bin, meine Kleidung zu sortieren oder immer neue, geschickte Aufbewahrungsmöglichkeiten für Stifte, Notizbücher, Bücher (!) und Co zu finden, beschäftigt mich meine Umgebung mittlerweile eher weniger.

Für mich ist Minimalismus in erster Linie Freiheit. Optische Freiräume in unserer Wohnung, die inspirierend auf mich wirken, Freiheit von Konsumverhalten und Shopping- bzw. Sammelwahn, finanzielle Freiheit, aber vor allem und das ist mir am wichtigsten: Mentale Freiheit, um sich auf die Sachen zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind.

Wie fängt man an, minimalistisch zu leben?

Man fängt an sein Leben aufzuräumen (oder: man schaut erst unzählige YouTube-Videos, z.B. hier oder hier, und liest Magic Cleaning von Marie Kondo). Aber statt die Sachen in Schränke zu sperren oder unter den Teppich zu kehren, bis sie einem irgendwann wohl oder übel über den Kopf wachsen, verschiebt man sie nicht nur, sondern mistet aus. Man befreit sich von all dem, was man eigentlich nicht wirklich braucht, um später nur noch das zu haben, was einem wirklich wichtig ist.

Folgende Bereiche kannst du befreien:

  • Das Schlafzimmer
  • Das Wohnzimmer
  • Die Küche
  • Das Bad
  • Die Kinderzimmer
  • Die Flure
  • Die Garage
  • Das Gartenhaus
  • Den Keller
  • Den Dachboden
  • und und und

Wenn du einmal angefangen hast, werden dir immer mehr Bereiche einfallen, die du von überschüssigem Krimskrams befreien kannst. Was mir dabei geholfen hat, war jedes Teil in die Hand zu nehmen und mir die folgenden Fragen zu stellen:

* Liebe ich diesen Gegenstand?

Was du liebst, darf bleiben. Wenn du die Frage nicht zu 100% mit ja beantworten kannst, machst du mit den anderen Fragen weiter.

* Benutze ich diesen Gegenstand regelmäßig?

Wenn du etwas nicht zu 100% liebst, benutzt du es wenigstens regelmäßig? Das gilt vor allem für Beauty-, Koch- und Putzzeug. Wenn du etwas davon nicht benutzt oder dafür sogar eine Alternative hast (z.B. mehrere Parfüms oder Bodylotions …), warum bewahrst du es dann auf?

* Ist der Gegenstand kaputt oder das Haltbarkeitsdatum abgelaufen?

Kaputte Gegenstände können entweder weg oder sollten ersetzt werden. Wenn du den Gegenstand noch brauchst, bis du einen Ersatz gefunden hast, kannst du ihn aufbewahren und weiter nutzen. Wenn du den Gegenstand sowieso nicht benutzt, weil er kaputt ist, schreib dir auf, dass du einen Ersatz besorgst und dann weg damit.

* Habe ich eine Alternative für den Gegenstand?

Ich weiß, es ist schwer, aber wer braucht wirklich drei schwarze Cardigans oder drei paar Stiefeletten mit Absatz? Behalte nur die Sachen, die du wirklich benutzt. Alle Alternativen für einen Gegenstand, die du nur für den Fall aufhebst, nehmen nur Platz für Sachen weg, an denen du mehr Gefallen findest.

* Kann ich den Gegenstand auch irgendwo anders finden, falls ich ihn brauche?

Das gilt vor allem für das Horden von Werkzeugen und Küchengeräten, die nur alle Jubeljahre mal benutzt werden. Wer sowieso schon eine kleine Wohnung hat, kann sich überlegen, ob er sich den Gegenstand nicht einfach bei Nachbarn oder Freunden leihen kann, wenn er ihn wirklich mal braucht. Vielleicht gibt es sogar eine Alternative, die man sowieso behält. Bestes Beispiel: Unsere Mikrowelle. Eine zu haben war schön, aber den Platz nun wieder frei zu haben, ist noch schöner. Unser Essen können wir auch im Backofen oder in der Pfanne warm machen. Statt Kirschkernkissen gibt es nun einfach eine Wärmflasche und Fertiggerichte essen wir sowieso kaum.

Worauf sollte man sonst so achten?

* Ich würde dir empfehlen, mit Bereichen anzufangen, die dir nicht so viel bedeuten. So kann es für einen Bücherwurm zum Beispiel leichter sein, mit dem Kleiderschrank oder der Küche anzufangen und sich erst langsam an sein Bücherregal heranzuarbeiten, damit man bis dahin schon ein bisschen in Übung ist.

* Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor, weil du sonst schnell überfordert bist. Jedes einzelne Teil in deinem Haushalt zu konfrontieren und auf die Probe zu stellen, ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern kann auch emotional auslaugen. Du beschäftigst dich ja nicht nur mit den Gegenständen an sich, sondern mit der Geschichte und den Emotionen, die dahinter stecken.

* Lass dich nicht von Musik beeinflussen. Viele Menschen hören gerne beim Aufräumen laut Musik. Das macht einfach mehr Spaß. Ich würde dir trotzdem empfehlen, keine Musik laufen zu lassen, weil diese deine Stimmung beeinflussen kann und du dann aufgrund dieser Stimmung deine Entscheidungen triffst.

* Wenn du dir nicht zu 100% sicher bist, ob ein Teil wirklich weg kann, behalte es. Bevor du dich hinterher ärgerst, miste in ein paar Wochen lieber noch einmal aus. Ein guter Tipp, um zu sehen, was du wirklich nutzt: Die Dinge kennzeichnen und die Kennzeichnung bei Benutzung entfernen. Das kannst du super mit Kleiderbügeln machen, in dem du alle unbenutzten Sachen in eine Richtung aufhängst und alle benutzten dann in die andere Richtung.

Es gibt nicht den perfekten Minimalisten.

Eine Sache sollte dir definitiv bewusst sein: Minimalismus ist kein Wettbewerb. Es geht nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern hauptsächlich darum, dass du dein Leben wieder im Griff hast, nicht dein Leben dich. Wenn du dafür Zeit brauchst und nicht immer bereit bist, Dinge loszulassen, dann ist das vollkommen in Ordnung. Das ist deine Reise und du musst damit glücklich sein. Lass dir also von niemandem einreden, der meint, er würde es besser wissen.

Wenn du mehr Artikel zum Thema lesen möchtest und/oder erfahren möchtest, was und wie ich ausgemistet habe, lass ein Gefällt mir und/oder einen Kommentar mit deinen Artikelwünschen da. Ich wünsche dir viel Erfolg beim Minimalisieren!

– Kim

Meine Lieblinge zum Thema:

YouTube: muchellebmademoiselleThe Anna EditLightbyCocoDaniel FrerixRachel Aust

Blogs: The MinimalistsUn-FancyMehr als Grünzeugzen habits

* Qu’est-ce que c’est ist französisch und heißt: Was ist das?

7 Gedanken zu „Frühjahrsputz à la Minimalismus.

  1. Charlie sagt:

    Hach, irgendwie fühle ich mich ja angesprochen. Ich bin jemand, der so oft Dinge aufhebt, die ich eh nie bzw so gut wie nie benutze, einfach, weil ich ungern Sachen wegwerfe. Mein Kleiderschrank ist DAS Beispiel dafür.
    Deshalb komme ich mit dem Zimmer aufräumen, was ich seit Monaten vorhabe, nicht so richtig voran.

    Allerdings werde ich diesen Sommer umziehen und vielleicht ist das ein guter Anlass, beim Einpacken in Kartons mal zu überlegen, was ich wirklich mitnehmen muss.

    Komisches Beispiel, aber ich hab das auch neulich gemerkt, als ich Probleme mit meinem Browser hatte und verzweifelt versucht hab, meine Lesezeichen auf einen anderen zu übertragen, weil ich sie unbedingt behalten wollte. Am Ende bin ich dann doch bei meinem Browser geblieben, habe mir dort ein neues Profil angelegt und festgestellt, dass ich diese ganzen Lesezeichen eigentlich überhaupt nicht brauchte.
    Ich fürchte, das geht mir mit vielen Dingen so. An manchen Dingen hänge ich nur aus Gewohnheit.

    Werde mir nachher mal die verlinkten Videos ansehen!

    Liebe Grüße,
    Charlie

    • Kim Leopold sagt:

      Liebe Charlie,

      danke für deinen Kommentar! 🙂

      Dass mit dem Aufheben kenne ich von Haus aus gar nicht mal so unbedingt, weil ich es schon immer so gehandhabt habe, dass ab und zu mal ausgemistet wurde. Klar, hatte ich immer noch viel zu viel, aber ich hab doch immer mal wieder meine Kleiderschränke oder meine Bücher aussortiert (meistens aber um Platz für Neues zu schaffen).

      Mr Kunstwerk tickt da ein bisschen anders. Der kommt aus einem Haushalt, bei dem jeder Cent umgedreht wurde und Dinge erst weggekommen sind, wenn sie nichts mehr waren. Mittlerweile findet er die Idee, weniger zu besitzen und dafür den Fokus mehr aufs erleben zu legen aber auch ganz gut und mistet selbst gerne aus. 🙂

      Kurz gesagt: Ich glaube, das ist einfach Übungssache. 😉

      Ein guter Tipp für den Umzug: Alles in Kisten eingepackt lassen und die Sachen immer nur dann rausholen, wenn du sie brauchst oder vermisst. Alles, was dann nach einem, zwei oder drei Monaten immer noch in den Kisten schlummert, kann eigentlich ungesehen weg, weil du es sowieso nicht brauchst oder vermisst. Ich muss zugeben, dass das für mich schon hardcore wäre, weil ich es aufgeräumt mag und mir nicht vorstellen kann, zwischen Umzugskartons zu wohnen.

      Wenn dein altes Zimmer bestehen bleibt, wäre es ja auch eine Möglichkeit, erstmal nur das allerwichtigste mitzunehmen und dann nach und nach die Sachen zu dir zu holen, die du vermisst. 🙂

      Ich finde, bei der ganzen Ausmisterei muss einem vor allem klar sein, dass man sich nicht über seinen Besitz definiert und dass Erinnerungen bleiben, auch wenn man Kleidungsstücke oder Souvenirs oder Ähnliches wegwirft oder verschenkt (vorher ein Foto davon machen, dann kann man auch immer mal wieder draufschauen ;)). Ich kann mich davon aber auch nicht frei sprechen: Selbst ich habe ein Bügelglas voll mit kleinen Erinnerungsstücken und eine Kiste voll mit kleinen Geschenken und Karten, die mich während meiner Krankheit erreicht haben.

      Aber das ist ja auch in Ordnung so. Ich nehme die Sachen gerne in die Hand und erfreue mich daran. Krempel wird erst dann zum Problem, wenn man keine Freude daran findet und sich ständig damit beschäftigt, neue Organisationsmethoden zu finden. 🙂

      So, das reicht jetzt aber auch wirklich. Da kann ich ja schon fast ’nen neuen Artikel draus machen. 😀

      (Zum digitalen Ausmisten schreibe ich bald bestimmt auch mal was.)

      Alles Liebe,
      Kim

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