Erinnerst du dich …

Erin­nerst du dich, als du sagtest, Träume wären bloß Träume, keine Ziele, schon gar nicht für so “kleine Mäd­chen” wie mich? Als ich dir von Sig­nier­stun­den und aus­ge­bucht­en Lesun­gen erzählte, von Platzierun­gen auf Best­sellerlis­ten und anderen Charts, davon, wie ich Leben verän­dern wollte mit meinen Geschichten.

Erin­nerst du dich, wie du lacht­est und mir sagtest, wie gut ich es doch hätte, über­haupt so weit gekom­men zu sein. Wie schwierig es heute wäre, bei all den tollen Autor:innen, bei all den Büch­ern, der Massen­ware, den uner­füll­ten Träu­men von so vie­len, wie gut ich es doch hätte, mitre­den zu kön­nen. Aktiv mitwirken zu kön­nen an meinen Träu­men, auch wenn sie noch so unerr­e­ich­bar wären.

Abstand.

Abstand war das, was ich brauchte, um zu erken­nen, wie du dein Netz gespon­nen hast. Wie du junge Frauen wie mich unter deine großen Flügel nimmst und ihnen die Welt zeigst, eine Welt, die bit­ter ist und wenig gibt, und ich frage mich noch heute, ob das deine Erfahrung war, ob du es ein­fach nicht bess­er wusstest, oder ob du genau wusstest, was du damit erre­ichst. Mut­losigkeit. Das Zer­fall­en von Träu­men wie riesel­nder Sand, der Frauen wie mir durch die Fin­ger gleit­et, das Zer­brechen eis­ern­er Wil­len­skraft, uner­schüt­ter­lich­er Hoff­nung. Stück für Stück, alles weg.

Aber nicht mit mir.

Erin­nerst du dich, als ich dir sagte, ich glaube daran? Ich glaube daran, dass Frauen wie ich es schaf­fen kön­nen. Dass wir ler­nen, unseren Weg zu gehen, immer weit­er, immer größer, bis wir bei den Ster­nen lan­den, wenn schon nicht beim Mond. Dass unsere Träume keine Träume bleiben, son­dern Ziele wer­den. Ziele, egal wie groß — sie sind erreichbar.

Du hast gelacht, abgewunken, mir gesagt, ich würde schon sehen, wie hart diese Welt ist, wie hart und unfair und wie hier jed­er gegen jeden kämpft und alle allein und vom Schreiben kann doch sowieso kein­er leben.

Aber stell dir vor, kommt Zeit, kommt Rat, kommt Mut, kommt Kraft, kommt ein Wun­der – so würdest du es ver­mut­lich beze­ich­nen. Für mich ist es ein Resul­tat, ein Ergeb­nis, eine logis­che Kon­se­quenz aus der Gesamtheit aller Hand­lun­gen, aus uner­müdlich­er Arbeit und Fre­und­schaft und Träu­men, die zu Zie­len, die zu Plä­nen wurden.

Sieh dich nur um, über­all sind sie, Frauen wie ich mit den großen Träu­men, die New Adult schreiben und Erfolge feiern, die Lis­ten erk­lim­men und Leser:innenherzen im Sturm erobern und von alten weißen Män­nern in Erotik­lit­er­atur und Schund ein­sortiert wer­den, um sie klein zu hal­ten, um ihnen zu sig­nal­isieren, die Lit­er­atur dieser Welt braucht euch nicht.

Aber ich habe eine Botschaft für dich: Wir scheißen auf Mei­n­un­gen wie deine. Auf Kri­tik­er und Besprechun­gen in alten, weißen Zeitun­gen, auf Wet­tbe­werbe, die unsere Form von Lit­er­atur sowieso niemals gewin­nen kön­nen. Für uns ist Lit­er­atur alles, für uns braucht Lit­er­atur alles, jede Stimme, weib­lich, männlich, trans*, jede Haut­farbe, jede Sex­u­al­ität, jedes biss­chen Wort, das die Welt ein Stückchen bess­er macht.

Wir schreiben nicht für dich. Wir schreiben für Leser:innen, die genau das in unseren Worten sehen, eine Flucht aus dieser Welt, in der Hass und Neid und tausend hässliche Dinge mehr regieren. Wir schreiben für die Liebe und die Liebe zur Liebe, für den fes­ten Glauben daran, dass Frauen wie wir alles schaf­fen kön­nen, dass wir gemein­sam stark sind, dass wir gemein­sam und Stück für Stück die Welt verän­dern können.

Erin­nerst du dich, wie du lacht­est? Heute lache ich …

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