Hast du je drüber nachgedacht, einen Neuanfang zu wagen?

Nach dem Tod ihrer Mutter sieht sich die 19-jährige Lilian gezwungen, von Deutschland zu ihrem fremden Vater nach New York zu ziehen.

In einer WG mit Jamie, dem Nerd mit Schokoladenaugen, und Ash, dem verletzlichen Draufgänger, merkt sie allerdings, dass sie genau das braucht: Ein neues Leben.

Zwischen Sonnenaufgängen und Tänzen bei Kerzenschein findet sie ihre Freude wieder – und die große Liebe. Jedoch ändert sich alles, als sie feststellt, dass nicht nur ihre Mitbewohner, sondern auch ihr Vater ein großes Geheimnis hüten.

 

ISBN 978-3-95869-5511

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Leseprobe

KAPITEL 1

»Bist du sicher, dass du alleine klarkommst?«, fragt der Mann, der mir so viel vertrauter sein sollte, als er es in Wahrheit ist. Ich gebe ihm die gleiche Antwort wie auch schon die fünfzig Mal zuvor.

»Natürlich. Mir geht es gut.« Das ist zwar eine Lüge, aber das muss er ja nicht unbedingt wissen. Warum sollte ich ihn ausgerechnet jetzt an meinem Gefühlsleben teilhaben lassen? In den letzten neunzehn Jahren hatte er schließlich auch Wichtigeres zu tun.

Wir halten vor einem großen, roten Backsteingebäude in der Wohngegend Morningside Heights im oberen Teil von Manhattan. Auf der Straße parken ein paar ältere Autos, die Bürgersteige sind voll mit jungen Menschen, die wahrscheinlich alle an der Columbia Universität studieren.

Ich löse meinen Gurt, bevor mein Vater Gregory den Wagen überhaupt ausstellen kann. Ich kann es kaum erwarten, wieder allein zu sein.

»Ich glaube nicht, dass ich hier einen Parkplatz finde.« Er zuckt entschuldigend die Achseln.

»Macht nichts, Dad«, erwidere ich. Es fühlt sich immer noch komisch an, ihn so zu nennen.

Ich öffne die Tür, um auszusteigen und mein Gepäck aus dem Kofferraum des Geländewagens zu holen. Er ist ausgestiegen, um mir dabei zu helfen. Mein Koffer ist riesig und schwer, weil ich so viele Erinnerungen hineingequetscht habe, dass ich am Flughafen auch noch jede Menge Geld für Übergepäck zahlen musste. Aber das war es mir wert, denn ich hätte es nicht verkraftet, etwas davon zurückzulassen.

»Du meldest dich bei mir, wenn du etwas brauchst?«

Ich schaue den Mann an, der mir so fremd ist. Auf alten Bildern trug er Shorts und T-Shirts, heute trägt er einen feinen Anzug und edle Schuhe. Alles an ihm ist so anders. Er wirkt so … wichtig.

»Wir sehen uns doch in ein paar Tagen wieder«, erwidere ich und schaue zum Hauseingang, aus dem gerade eine Blondine mit weißen Shorts, High Heels und pinkem Top kommt. Instinktiv bete ich, es handle sich bei ihr nicht um Ash oder Jamie. Aber sie wirft mir nur einen kurzen Blick zu, bevor sie ihr Handy aus der Hosentasche zieht und sich Kopfhörer in die Ohren steckt.

»Danke fürs Abholen.« Ich probiere ein Lächeln, welches sich irgendwie falsch anfühlt. Dann deute ich auf die Autos, die sich hinter seinem allmählich aufstauen. »Du solltest jetzt besser fahren. Ich komme alleine klar.«

»Bist du sicher?« Er runzelt besorgt die Stirn.

Ich kann mir ein kurzes Schnauben nicht verkneifen. »Das habe ich die letzten Monate schließlich auch geschafft.«

Am liebsten würde ich mir sofort auf die Zunge beißen, aber Dad hebt resignierend die Hände und beeilt sich, in sein Auto einzusteigen. Ich bin wohl nicht die Einzige, die sich an ein neues Familienmitglied gewöhnen muss.

Ich schaue ihm nach und presse die Hand auf meinen Bauch, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Was erwartet er denn auch? Nach so langer Zeit werde ich ihm bestimmt nicht freudestrahlend um den Hals fallen. Dazu bedarf es schon mehr als ein paar netter Worte und eines Haufen Geldes.

Seufzend ziehe ich den Koffer hinter mir her und suche die richtigen Namen auf dem Klingelschild. Den Nachnamen nach zu urteilen werde ich nicht die einzige Ausländerin sein, die hier wohnt, und das erleichtert mich ungemein.

Zwischen zahlreichen Namen entdecke ich sie schließlich: Parker/Williams.

Mit schneller klopfendem Herzen drücke ich auf die Klingel und warte gespannt. Es summt und ich drücke die Tür auf. Sofort umfängt mich ein Schwall kalter Luft. Klimaanlage. Daran werde ich mich wohl erst noch gewöhnen müssen.

Irgendwie schaffe ich es, meinen Koffer durch die Haustür zu ziehen, ohne dass die Tür wieder zufällt, und stehe in einem Treppenhaus, in dem sich glücklicherweise ein Aufzug befindet. Während ich darauf warte, ziehe ich den Zettel aus meiner Hosentasche, auf dem das Stockwerk und die Wohnungsnummer steht.

Die Wohnung liegt im obersten Stockwerk des Gebäudes und hat eine eigene Küche und ein Bad. Meine beiden Mitbewohnerinnen Ash und Jamie müssen aus reichen Familien kommen, denn das Leben in New York City ist wahnsinnig teuer. Im Gegensatz zu ihnen muss ich mich erst noch daran gewöhnen, dass ich nun dem wohlhabenden Teil meiner Familie angehöre, denn plötzlich scheint es meinem Dad nicht mehr so schwerzufallen, mir ein mehr als großzügiges Taschengeld zu spendieren.

Die Fahrstuhltüren gleiten auf und ich zerre meinen Koffer aus der engen Kabine. Dabei fahre ich mir mit den Rollen beinahe selbst über den Fuß und bleibe mehrfach hängen.

Als ich das Lachen in meinem Rücken wahrnehme, höre ich auf, an meinem Koffer zu zerren und drehe mich ertappt um. Zwei Typen lehnen lässig gegen das Treppengeländer und beobachten meine Bemühungen. Der eine ist groß und muskulös, mit dunklem Haar und blauen Augen. Wenn ich tippen müsste, würde ich sagen, er ist ein Draufgänger.

Der andere ist das komplette Gegenteil. Er hat braunes Haar und braune, sanfte Augen, die hinter einer großen, nerdigen Brille versteckt sind.

Sein T-Shirt trägt die Aufschrift I don’t work here, die ich mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis nehme.

In ihre beiden Gesichter steht die Überraschung geschrieben.

»Stimmt was nicht?«, frage ich, als sie nichts sagen.

Dann räuspert sich der Nerd. »Rose?«

»Rose?«, wiederhole ich verwirrt. Was will er denn jetzt mit einer Rose? »Nein, danke.«

Erst im nächsten Moment geht mir auf, dass er mich scheinbar verwechselt. »Ich meine: Nein, mein Name ist Lilian Jones. Ich bin neu hier.«

Wenn das überhaupt möglich ist, sehen die beiden nun noch überraschter aus. Der Nerd schüttelt seine Erstarrung zuerst ab. Der Draufgänger blickt mich immer noch verwirrt an.

»Das ist ein Scherz, oder?«, fragt er mit gerunzelter Stirn. Ich öffne den Mund, aber mir fällt nichts ein, was ich darauf erwidern könnte.

Der Draufgänger schüttelt mit dem Kopf und stößt dem Nerd seinen Ellbogen in die Rippen, bevor er ihm etwas ins Ohr flüstert. Daraufhin schüttelt der Nerd sich, als würde er seinen Gedanken loswerden wollen und kommt auf mich zu. Sein Blick gleitet prüfend an mir herab.

Ich verschränke unsicher die Arme vor der Brust.

»Ich bin Jamie«, erklärt er. »Und das ist Ash. Herzlich Willkommen, Lilian.«

 

KAPITEL 2

Männer. Und dann auch noch zwei davon. Sofort denke ich an leere, gammelige Pizzakartons, Videospiele, die mich mit jedem Schuss aus dem Schlaf reißen, schmutzige Toilettenränder, weil Männer doch immer im Stehen pinkeln, und herumfliegende Bartstoppeln, weil sie nach dem Rasieren nicht über den Waschbeckenrand wischen.

Das kann ich nicht. Nie im Leben ziehe ich hier ein.

Mittlerweile haben Ash und Jamie wohl verstanden, dass ich tatsächlich geglaubt habe, ich würde in eine Frauen-WG ziehen, denn sie fangen an, dämlich zu grinsen. Ihre anfängliche Überraschung haben sie überwunden. Ich hingegen frage mich immer noch, wieso sie mich so verwirrt angestarrt haben.

»Das hast du echt gedacht, oder?«, hakt Jamie ungläubig nach und schiebt seine Brille mit dem Zeigefinger wieder etwas nach oben. Als ich daraufhin nicke, gackern die beiden los, als wären sie tatsächlich eher Frauen.

»Das ist nicht witzig«, schimpfe ich, als ich meine Stimme wiedergefunden habe. Doch da haben sich die beiden schon meinen Koffer geschnappt und zerren ihn durch den Flur. Widerwillig folge ich ihnen.

Ich kann mir die Wohnung ja wenigstens mal ansehen. Das verpflichtet mich ja nicht zum Einzug. Hinterher kann ich immer noch Dad anrufen und ihn bitten, mich abzuholen und dann …

Ja, was dann? Dann ziehe ich bei ihm ein?

Ich weiß nicht, was die bessere Alternative ist.

»Wie du geglaubt haben kannst, Ash und Jamie wären Mädchennamen«, lacht Ash gerade. »Ashton und James klingen doch wohl wirklich nicht weiblich.«

»Aber …«

»Außerdem hast du dich doch auf eine gemischte WG beworben. Hast du das etwa übersehen?« Jamie bleibt vor einer Tür stehen. »Nun ja, jetzt bist du ja hier. Wir haben Nudeln vorbereitet. Du hast doch Hunger, oder?«

»Ehh …«

Jamie zieht eine Schlüsselkarte durch den dafür vorgesehenen Schlitz. Kurz darauf ertönt ein Piepen und er drückt die Klinke herunter.

»Ja«, setze ich schnell hinterher. Sie schieben mich durch die Tür. Sofort werde ich von einem markanten, männlichen Duft umhüllt. »Ja, ich habe Hunger.«

Ash schließt die Tür hinter uns, während Jamie mich durch den geräumigen Flur in ein großes Wohn- und Esszimmer führt. Immerhin ist es aufgeräumt und sauber, denke ich, während ich meine Handtasche auf das Sofa fallen lasse und mich umsehe.

Tatsächlich ist es sogar fast gemütlich hier. Das Sofa ist aus braunem Wildleder und hat eine Ecke, in der sich blaue und grüne Kissen stapeln. An der Wand dahinter hängt ein abstraktes Bild, dessen Motiv ich auf den ersten Blick nicht erkennen kann. Die Farben grün und blau finden sich auf dem rustikalen Holztisch in Form von Tischsets wieder. Selbst die Vorhänge sind aus einem sanften, meerblauen Stoff.

Ich fühle mich gleich geborgen und das überrascht mich. Es scheint fast, als wäre hier eine Frau am Werk gewesen.

Meine Gedanken werden jedoch abgelenkt, als mein Blick aus dem riesigen Fenster auf den Balkon fällt, von dem aus man die Wolkenkratzer der anderen Stadtteile sehen kann. Es muss toll sein, jeden Morgen bei dieser Aussicht zu frühstücken.

Kurz lasse ich den Gedanken zu, dass das durchaus meine Aussicht am Morgen sein könnte.

Als ich ans Fenster trete, stelle ich fest, dass der Balkon überhaupt nicht genutzt wird. Zumindest stehen dort keine Stühle oder sonst irgendetwas, was darauf schließen lassen würde. Sofort erblühen in mir die wildesten Phantasien, wie man ihm über diesen trostlosen Zustand hinweghelfen könnte.

Die Idee schüttle ich schnell wieder ab. Mit Sicherheit werde ich hier nicht einziehen. Ich bin doch nicht verrückt. Im Fernsehen funktioniert so etwas vielleicht, aber im echten Leben?

Ich meine, wie soll ich das denn meinem Dad erklären? Welcher Dad sieht seine Tochter schon gerne in einer Wohnung mit Männern?

Hey Dad … ja, mir geht’s super. Ash und Jamie sind total nett … ja, sie sind übrigens Jungs … ach, das stört dich? Wieso das denn?

»Lilian?« Ash schnipst vor meinem Gesicht und reißt mich aus den Gedanken. Ich setze ein Lächeln auf, von dem ich ganz genau weiß, wie schrecklich es aussieht. Seine blauen Augen funkeln belustigt, bis ich aus einem Impuls heraus die Zunge ausstrecke und sein schäbiges Grinsen zu einem echten Lachen wird.

»Willst du die anderen Räume sehen?«, fragt er.

»Klar.« Ich drehe mich um und mein Blick fällt auf das Highlight in diesem Zimmer, welches eindeutig der große Flachbildschirm ist. In dem Schränkchen darunter befindet sich eine beachtliche Konsolen- und Spielesammlung.

Habe ich’s doch gewusst.

Ich folge Ash aus dem Raum in die kleine, helle Küche, in der sich Jamie gerade am Herd zu schaffen macht. Er schaut zu uns, als wir den Raum betreten und genau in diesem Augenblick kochen die Nudeln über. Er flucht und wedelt mit der Hand über dem Topf, als ob das etwas bringen würde.

Bevor ich darüber nachdenken kann, eile ich zu ihm, drehe die Herdplatte etwas herunter und rühre in dem Topf. Die Nudeln kleben bereits am Boden fest.

Mir entfährt ein Seufzen. Die Idee mit den gemeinsamen Kochabenden kann ich wohl wieder verwerfen.

»Das ist nicht schlimm«, sagt Jamie. Er nimmt die beschlagene Brille ab und putzt die Gläser mit dem Saum seines T-Shirts, während er mir ein unschuldiges Lächeln zuwirft.

Ich kneife die Brauen zusammen.

»Wir essen unsere Nudeln immer so, nicht wahr, Ash?«

»Das ist nicht dein Ernst.« Ich reiße die Augen auf und wedle mit dem Kochlöffel, so dass er ein Stück vom Herd zurückweichen muss. Dabei fällt ihm beinahe seine Brille herunter.

»Das«, ich deute auf die Nudelmasse, »schmeißt du jetzt in den Müll und dann koche ich uns etwas Vernünftiges.«

Stirnrunzelnd schaut er mich an, dann seine Nudelmatsche und dann zuckt er mit den Achseln und nimmt den Topf vom Herd. »Ist vielleicht besser so.«

Oh ja, ganz bestimmt.

»Lass mich dir erst noch den Rest zeigen«, erklärt Ash, der das Chaos mit belustigter Miene beobachtet hat. Er stößt sich vom Türrahmen ab und leitet mich aus dem Raum in den Flur, aus dem mein Koffer bereits verschwunden ist.

Er führt mich in ein helles Badezimmer. Durch das geöffnete Fenster dringt das Leben der Stadt zu uns hinauf.

Ich werfe einen prüfenden Blick auf die Toilette und die große Duschwanne, doch es scheint, als hätten die Jungs tatsächlich geputzt, bevor ich gekommen bin. Von den beiden Waschbecken haben sie bereits eins für mich leergeräumt.

Anerkennend nicke ich Ash zu.

»Ist es hier immer so …« Ich breche den Satz ab, weil mir die Frage plötzlich unverschämt vorkommt.

»Nett? Gut aufgeräumt? Sauber?«, schlägt er mit einem Grinsen vor. Mit seinen dunklen Augenbrauen und dem markanten Kinn könnte er genauso gut Model sein. »Keine Sorge, wir sind ordentlich.«

»Daran habe ich gar nicht gedacht«, sage ich eilig und werde noch röter. Er betrachtet mich einen Moment prüfend, bis ich schließlich nervös den Blick abwende.

Dann zuckt er mit den Achseln. »Wenn das so ist … Das ist dann also dein Waschbecken. Aber komm bloß nicht auf die Idee, das Bad morgens stundenlang zu belagern.«

Hatte ich nicht vor, denke ich und frage mich, wie sauer sie sind, wenn ich doch nicht einziehe.

Ash zeigt mir auch mein Zimmer, das laut der Beschreibung das Kleinste sein soll, aber dafür ist es hübsch und hell und bietet einen fantastischen Ausblick über die Gebäude der Columbia Universität, die nicht weit von uns entfernt liegen.

Als wir nun im Raum stehen, packt mich das schlechte Gewissen und jagt mir einen eiskalten Schauer über den Rücken.

Meine bestellten Möbel sind bereits aufgebaut und mein Koffer liegt auf der brandneuen Matratze.

Bereit zum Einzug.

»Habt ihr das gemacht?«, frage ich heiser und gehe ein paar Schritte weiter in den Raum. Gerührt presse ich die Lippen zusammen und lasse meine Hand über die Schreibtischplatte gleiten. Nicht weinen, ermahne ich mich, als ich den Kloß in meinem Hals spüre. Erst, als ich meine Gefühle wieder einigermaßen unter Kontrolle habe, drehe ich mich um.

Ash sieht mich einen Augenblick schweigend an, bis ich die Tränen in meinen Augen brennen spüre. Dann verzieht er die Lippen zu einem verschmitzten Grinsen. »Na klar, wir wissen doch, dass Frauen so etwas nicht können.«

»Sehr witzig«, erwidere ich, aber das Blitzen in seinen Augen sagt mir, dass er nur mit mir spielt.

Er dreht sich um und öffnet den geräumigen Wandkleiderschrank, um ihn mir zu zeigen. Erleichtert über den Stimmungswechsel wische ich mir über die Wangen und atme tief durch, bevor ich nähertrete und den Kleiderschrank betrachte. Plötzlich fällt es mir nicht schwer, mir auszumalen, wie das Zimmer einmal aussehen könnte, wenn ich erst damit fertig bin.

Nach meinem Zimmer zeigt er mir noch die Türen zu den anderen beiden Räumen, welche mir allerdings vorerst verschlossen bleiben. Am Ende des Flurs gibt es noch eine kleine Abstellkammer, in der sich hauptsächlich Putzzeug befindet.

»Wäsche wird am Ende des Flurs gewaschen, einen kleinen Kellerraum gibt es auch für jede Wohnung«, erklärt mir Ash, als wir wieder in die Küche gehen, in der Jamie alles herausgelegt hat, was ich irgendwie zum Kochen gebrauchen könnte. Er ist immer noch damit beschäftigt, die Nudelreste aus dem Topf zu kratzen, doch als wir den Raum betreten, gibt er auf und wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn.

Ich lächle ihm aufmunternd zu, nehme ihm den Topf ab und lasse etwas heißes Wasser hineinlaufen, damit sich die Nudelreste besser vom Boden lösen. Dann nehme ich einen neuen Topf und beginne zu kochen. Nudeln, Eier und Ketchup sind alles, was ich brauche, um unseren Hunger zu stillen.

Die beiden Jungs setzen sich auf die Hocker, die vor dem Küchenfenster stehen und beobachten mich dabei. Als ich jetzt in ihre ausgehungerten Gesichter sehe, bin ich der Ansicht, sie könnten ganz dringend ein bisschen mehr Weiblichkeit in ihrem Leben gebrauchen. Ich meine, bei so viel Freundlichkeit kann ich unmöglich sofort wieder verschwinden. Ich muss ihnen doch wenigstens eine Chance geben.

Ich ignoriere also das ziehende Gefühl in meinem Bauch, ignoriere die Dinge, die ich über Männer zu wissen geglaubt habe, und beschließe, dass es an der Zeit ist, meinem Leben etwas mehr Mut einzuhauchen.

Ich werde bleiben.